Wie der Feminismus Idole zerstört

Wie der Feminismus Idole zerstört

Idole sind großartig. Wir brauchen sie. Doch manchmal ist es doch besser, wenn man bloß ihre Kunst konsumiert und ihre Social Media Accounts meidet.

Ein Beispiel: Brian May. Gitarrist und Sänger von Queen. Ich liebe Queen, besitze alle Alben, habe während meiner Jugendjahre den halben Merch-Store leer gekauft, könnte problemlos nachts geweckt werden und sämtliche Lyrics (inkl. die der Vorgänger Band „Smile“) vorwärts, rückwärts, auf dem Kopf stehend, aufsagen. Auch die Foltermethode „We are the champions“  in Dauerschleife hören zu müssen, erinnert mich eher an einen normalen Dienstag als 14 Jährige.  Kurz gesagt: Ich vergöttere diese Band.

Vor zwei Jahren hat Brian May angefangen Instagram zu verwenden. Der Account ist eine Mischung aus 3D Fotos, Astronomiebildern, Tourfotos, sowie den Beschwerden eines 70 jährigen Mannes, primär, wenn Apple wieder irgendein Update durchgeführt hat und dadurch sein Fortschritt in der Meditationsapp futsch ist.

Nun hat er sich zum leidigen Thema Sexismus (bäh, wie eklig) geäußert (Original Beitrag von Brian May). Er teilt darin mit, dass er es affig findet, dass die Firma Tempo ihre „mansize“ Taschentücher in „extra large“ umbenennt, da „mansize“ auf Twitter  als sexistisch angeprangert wurde, und fordert, dass wir alle mal „erwachsen werden“ und uns um die „wichtigen Themen“ kümmern.  – Ich empfinde Klimawandel und Rassismus natürlich auch als unfassbar wichtig, aber man darf Sexismus nicht kleinreden. Natürlich stellt der Name eines Taschentuches kein großes Problem in dieser Gesellschaft da. Kaum eine Frau würde als Hauptziel des „Feminismus“ genderneutrale Produkte nennen. Die Scham, die mit der Sexualität, im Beruf und der Gleichberechtigung verbunden ist, ist so gesehen auch im Kampf gegen Sexismus „wichtiger“. Trotzdem bilden Namen von Produkte einen Spiegel der Gesellschaft.  Ein Taschentuch kann überhaupt nicht „für Männer“ oder „für Frauen“ sein – es ist ein TASCHENTUCH. Das einzige, was wir damit machen ist Poppel reinrotzen und (bestenfalls) wegschmeißen und soweit ich das beurteilen kann, handelt es sich hierbei um einen unisex Prozess.

Natürlich wirken solche Umbenennungen aufs erste immer etwas affig, aber sie sind wichtig. Wir müssen uns vom gendern als Marketingstrategie verabschieden, besonders bei solchen Produkten, wo es schlicht und ergreifend keinen Sinn ergibt.  Pragmatisch kann man sagen, wer es nicht mag, soll es eben einfach nicht kaufen, aber das bringt uns nicht weiter. Wir müssen all diese „dämlichen“, extremen Schritte gehen, damit Leute über Feminismus sprechen und darüber nachdenken, welche Form sie wollen, welche Prioritäten gesetzt werden sollen und was (vielleicht) überflüssig ist. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass in den 1970er  auch die Forderung auf die Anrede „Ms.“ als affig angesehen wurde.

Es ist okay, dass Brian May dir Umbenennung  affig findet. Doch er sollte realistisch sein. Kleine Dinge müssen sich ändern um große zu ermöglichen. Niemand muss aktiv daran teilhaben, niemand muss Männertaschentücher blöd finden, aber er sollte den Menschen, die das altmodisch und unnötig finden, die es ändern wollen, die Möglichkeit dazu geben. Ja, es gibt wichtigere Themen, aber die Firma Tempo und die Tweets die diesen Wandel bewirkt haben, hätten den Hunger in Afrika auch nicht gestoppt, wenn sie nicht auf dieses altmodische Label aufmerksam gemacht hätten.

All die Menschen, die unter dem Post Brian May à la „Ja, endlich sagt es jemand! Die Feministen drehen hol!“ zu jubeln, sollten die Kraft, die sie ins schreiben ihrer teils unterirdischen Kommentare investieren, lieber in ihr eigenes Herzensprojekt reinstecken. Dann tragen sie ein kleines Stück zu einer besseren Welt bei, OBWOHL in ihr auch genderneutrale Tempos existieren.

Ich hoffe Brian May kann sich trotz dieser schwerwiegenden Änderung in den Strukturen der Welt durch Tempos, nun wieder voll und ganz dem ebenso wichtigen Retten von kleinen Igeln zuwenden. In meiner Wunschwelt würde er zudem einsehen, dass er anderen Menschen akzeptieren muss, die sich über Dinge wie diese echauffieren, so wie die anderen es akzeptieren müssen, dass er sich über alles mögliche echauffiert.  Mich hätten die „mansize“ Taschentücher auch nicht aktiv gestört, aber wenn sich jemand daran stört, dann sollten sie sich für die Änderung einsetzten dürfen, ohne als übergeschnappt stigmatisiert zu werden.  Das diese Form von Gleichberechtigung auch bei meinem Idol auf Antikörper trifft, hätte ich doch lieber nicht gewusst.

 

P.S. Es ist mir durchaus bewusst, dass Männer im Durchschnitt größere Nasen haben als Frauen, trotzdem ist es schlicht und ergreifend unnötig (es gibt ja auch Frauen mit großen Nasen).

P.P.S Zum nachlesen, hier der Bericht der BBC über die Umbenennung, inkl. diverser Tweets, die diese herbeigeführt haben: https://www.bbc.com/news/uk-politics-45899784

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