Was Perspektive mit Sport zu tun hat

Was Perspektive mit Sport zu tun hat

Im Kunstunterricht gibt es viele Perspektiven. Im Leben nur eine. Ich sehe nur durch meine Augen und aufgrund meiner Sehschwäche tue ich das dazu auch noch ziemlich schlecht.

Die erste Perspektive, die wir auf das Leben haben, basiert auf unserem Elternhaus. Beziehungsweise wir adaptieren einfach eins zu eins die unserer Eltern (bzw. die die unsere Eltern uns vorspielen). Irgendwann fangen wir dann an Erfahrungen zu machen. So richtig krasse Erfahrungen à la von der Schaukel fallen. Dadurch ändert sich die eigene Meinung fundamental. Ab dato sind Schaukeln scheiße. Perspektive geändert – Beweis, das Perspektive nicht statisch ist. Dann gehen wir zur Schule, konsumieren Kultur und wenn das System nicht komplett kaputt ist, verändert sich dadurch unsere Perspektive erneut.

Ich hab erstaunlich lange gebraucht um zu verstehen, dass ich aus meiner Perspektive heraustreten kann um eine andere einzunehmen.  Heraustreten klingt aber auch so aktiv – kein gutes Lockmittel für eine Person, die fünf Sportkurse zahlt – und elegant zu keinem einzigen geht.

Wir können uns durchaus Ausschnitte aus einer anderen Perspektiven imaginieren. Doch wir sollten uns beim imaginieren auf „wahre“ Perspektiven stützen können, d.h. bevor man laut verkündet, was „die Flüchtlinge“ wollen, empfiehlt es sich mal mit einem Geflüchteten gesprochen zu haben (nein, Facebook Berichte zählen nicht als Gespräch). Wenn man das nicht tut, imaginiert man ihre Perspektive bloß aus der eigenen Perspektive heraus, stülpt der anderen Perspektive das eigene Urteil über diese über, lässt sie so agieren, wie man es selbst erwarten würde – und betreibt so bloße Zeitverschwendung. Da wäre selbst ein Starbucks Kaffee für 4,95€ zu kaufen noch sinnvoller.

Übrigens würde es auch der Bundesregierung gut tun, wenn sie mal mit „dem Volk“ tatsächlich sprechen würde und die tatsächliche Perspektive von ihnen imaginieren würde, aber ist nur so ne ganz abwegige Idee von mir…

 

Das Beitragsbild zeigt ein Foto des Originalabzugs des Fotos „Familie posiert für den Fotografen“ von Bernice Kolko, 1957 in der Ausstellung „Bernice Kolko. Gesichter Mexikos.“ des Freundekreises des Willy Brandt Hauses Berlin.

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