Gesicht #1

Gesicht #1

Er trug eines dieser Gesichter, die jünger wirkten als der Körper, da sein Leben nicht wirklich fortzuschreiten schien. Nur die Haare, beziehungsweise ihr Fehlen, erklärten, dass er jenen Schuppen seit Jahrzehnten besaß. Er kaufte ihn voller Enthusiasmus, kurz nach der Geburt seiner Tochter, um darin zu arbeiten. Er hatte die Idee seines Lebens. Die Idee, die funktionieren musste. Er hatte diese Idee sehr oft. Jahr für Jahr kam die Idee in sein Leben. Er kaufte alles für die Idee. Die Idee funktionierte nie. Egal mit wie viel Geld, egal mit wie viel Zeit er sie fütterte.

Momentan würde er das Auto seiner Tochter reparieren, erklärte er seinem Spiegelbild. Deshalb könne er sich auf die aktuelle Idee nicht fokussieren. Fast hätte er gesagt, er versuche momentan das Auto seiner Tochter zu reparieren. Fast hätte er sich eingestanden, dass er stets nur versuchte und nie machte. Aber er hatte das andere Verb noch schnell genug gefunden. Schnell genug, dass ein Lächeln auf blinzelte.

Er nahm ein Taschentuch, riss es in Zwei, legte die eine Hälfte sorgfältig in die knirschende blaue Verpackung zurück, und wischte sich das schwarze Öl von der Wange. Als Kind hatte er sich für den Karneval immer schwarze Rußstriche auf die Wangen gemalt, sich die schwarze Kleidung seines Bruders angezogen, über die er andauernd stolperte, und ging dann „Chim-Chim-Cheree“ singend in die Schule.

Er drehte sich um, die Sonne projizierte eine weiße Stelle auf dem grün-gelben Lack. Er zog sich Handschuhe an und machte sich an die Arbeit, verschwand unter dem Auto. Er würde nun das Auto seiner Tochter reparieren.

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