Am Anfang waren die Pin-up-Girls

Am Anfang waren die Pin-up-Girls

Zu der Zeit, in der man beim Scrabble noch lange nachdenken musste, bis einem ein Wort einfiel, das mit C anfängt, war eines der liebsten Themen der Medien „Generationenkonflikte“. Im Zusammenhang standen diese Auseinandersetzungen meistens mit der Klimakrise, der allgemeinen Politik der Volksparteien oder aber dem Feminismus.

Wie Letzteres mein Denken formt, spürte ich letzten Sommer als ich bei meiner Mutter die alten Babysachen von mir abholen wollte.

Ich schaute sie durch, sortierte sie nach Farben (weniger nach Jungen/ Mädchen als nach 80er heute Hipster/ 80er heute Augenkrebs). Natürlich musste ich jedes einzelne Kleidungsstück kommentieren – bis ein Strampler auftauchte, auf den ich keine Reaktion wusste.

Es war ein Babyblauer Strampler. Soweit so Klischee, so normal. Aber auf dem Strampler waren keine Pflanzen, keine Teddybären, keine Küken, keine Dinos – es waren Pin-up Girls.

-„Das hat ich nicht an, oder?“ -„Warum nicht?“
-„Weil da halb nackte Frauen drauf sind!?“ -„Wirklich?“

Nun kam auch das Erstaunen in das Gesicht meiner Mutter. Ihr war es nie aufgefallen. In den 80ern und 90ern überschaute sie jene Parts des Stramplers und selbst wenn sie sie sah, fiel ihr nichts daran auf, das nicht normal oder lustig wirkte.

Ihre Reaktion zeigte mir auf, wie sich mit einem gesellschaftlichen Diskurs die Maßstäbe ändern, und wie dadurch der eigene Blick trainiert wird, um das Fehlen der Maßstäbe ohne großes Nachdenken zu identifizieren und sie als falsch anzusehen.

Manchmal hat man das Gefühl, all diese großen Diskussionen würden im Leben des Einzelnen eh nichts bewirken. Doch am Ende ist das Sehen des Missstandes, selbst wenn er nur in Form eines Stramplers auftritt, zumindest schon mal ein Anfang.

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